Dealflow-Screening. Was es ist und wie ein Fonds es aufsetzt.

Ratgeber von Andreas Awees, Gründer von CORE · Stand:

Dealflow-Screening ist die erste Prüfung jeder eingehenden Startup-Bewerbung: Passt der Deal zur These des Fonds, und sind die Angaben stimmig? Erst danach investiert jemand Zeit in ein Gespräch. Rund 95 % aller eingehenden Deals enden als Absage. Diese erste Prüfung entscheidet deshalb, wie viel Arbeitszeit ein Fonds in Bewerbungen steckt, die er nie weiterverfolgt.

Dealflow-Screening: was es ist.

Dealflow nennt man alle Investitionsmöglichkeiten, die bei einem Fonds ankommen: über das Bewerbungsformular, per Mail, über Empfehlungen. Screening ist der Schritt, in dem aus diesem Eingang eine kurze Liste wird. Jede Bewerbung durchläuft dabei dieselben Fragen:

  • Ist die Bewerbung vollständig?
  • Passen die Zahlen zueinander?
  • Passt der Deal zu Phase, Sektor und Kriterien des Fonds?
  • Wie steht er im Vergleich zu den Deals, die der Fonds sonst sieht?

Am Ende steht eine von zwei Entscheidungen: weiterverfolgen oder absagen. Die gründliche Prüfung, die Due Diligence, kommt erst für die wenigen Deals, die das Screening bestehen.

Screening, Dealflow-Management, CRM: drei verschiedene Aufgaben.

Die Begriffe werden oft gemischt. Sie beantworten verschiedene Fragen und brauchen deshalb verschiedene Werkzeuge.

Dealflow-Screening, Dealflow-Management, CRM und Marktdatenbank im Vergleich
AufgabeDie Frage dahinterWomit Fonds das heute lösen
Dealflow-ScreeningGehört dieser Deal in unsere Pipeline?Regelwerk, Plausibilitäts-Prüfung, Vergleich; oft noch Tabelle und Bauchgefühl
Dealflow-ManagementWo steht jeder Deal, wer ist zuständig?Pipeline mit Stufen und Aufgaben
CRMWen kennen wir, was ist mit wem besprochen?Attio, Affinity und andere
MarktdatenbankWelche Startups gibt es überhaupt?Datenbanken mit Unternehmensprofilen

Screening sitzt am Anfang, zwischen Posteingang und Pipeline. Was es aussortiert, muss niemand mehr verwalten.

Der Aufwand: warum Screening so viel Zeit kostet.

Rund 95 % der eingehenden Deals enden als Absage. Jeder davon kostet vorher dieselben Handgriffe: Deck öffnen, Zahlen abtippen, nachrechnen, mit anderen Deals vergleichen.

Bei 35 Bewerbungen pro Woche und 22 Minuten je Erst-Screening kommen rund 667 Stunden im Jahr zusammen. Die Annahmen können Sie im Rechner auf der Startseite durch Ihre eigenen ersetzen.

Der größte Teil dieser Zeit ist Fleiß, nicht Urteil, nach unserer Arbeitsthese rund 70 %. Dieser Teil lässt sich in Regeln fassen.

Mit Ihren Zahlen rechnen

Das Regelwerk: die These in Punkte übersetzt.

Ein Screening-Regelwerk schreibt auf, was ein Fonds sonst im Kopf prüft. Jede Regel fragt einen Wert ab und vergibt Punkte. Ein Beispiel aus dem Bereich Wachstum, aus dem CORE-Standard-Regelwerk:

Beispielregeln für das MRR-Wachstum im Monat aus dem CORE-Standard-Regelwerk
MRR-Wachstum im MonatPunkteEinordnung
8–15 %+7stark
15–25 %+10sehr stark
≥ 25 %+14Hypergrowth
< −5 %−15schrumpfend

Auszug aus dem CORE-Standard-Regelwerk. Die Wachstumsregeln gelten in jeder Phase.

Brauchbar wird ein Regelwerk durch drei Eigenschaften. Es unterscheidet nach Phase: Eine Bruttomarge, die bei Seed noch keine Punkte kostet, zieht ab Pre-Series A Punkte ab. Es ist lesbar: Jede Punktzahl lässt sich auf die Regeln zurückführen, die gegriffen haben. Wer absagt, kann sagen, warum. Und es gehört dem Fonds: Zwei Fonds mit demselben Deal sollen zu verschiedenen Ergebnissen kommen, wenn ihre Thesen verschieden sind.

Der CORE-Standard umfasst über 100 Regeln in 7 Bereichen, von Pre-Seed bis Series B. Ein Fonds übernimmt ihn und schneidet ihn auf seine These zu.

Plausibilität: prüfen, bevor jemand liest.

Bevor eine Bewerbung bewertet wird, lohnt der Blick, ob die Angaben zueinander passen. Typische Widersprüche:

  • Die Anteile im Cap Table ergeben zusammen mehr als 100 %.
  • Der ARR ist nicht ungefähr das Zwölffache der MRR.
  • Die Runway ist mit Kasse und Burn rechnerisch nicht möglich.

Solche Checks lassen sich automatisieren. CORE führt 13 davon aus und markiert, was nicht zusammenpasst, bevor jemand das Deck öffnet.

Vergleichen: mit den eigenen Deals.

Eine einzelne Kennzahl sagt wenig. 12 % Wachstum im Monat, ist das gut? Die nützlichste Vergleichsgruppe sind die Deals derselben Phase, die beim eigenen Fonds eingegangen sind. Sie zeigen den Markt, den der Fonds tatsächlich sieht.

CORE stellt 8 Kennzahlen jedes Deals als Perzentile neben diese Gruppe. „Besser als 84 %“ heißt dann: besser als 84 % der Seed-Deals, die bei Ihnen eingereicht wurden. (Beispielwert.)

Der Aufbau: so setzen Sie Dealflow-Screening auf.

Fünf Schritte, mit oder ohne Software:

  1. Kriterien aufschreiben. Was muss ein Deal erfüllen, was schließt ihn aus? Nach Phase getrennt, so konkret wie möglich.

  2. Den Eingang vereinheitlichen. Ein Formular mit festen Feldern statt PDF-Anhängen in wechselnden Formaten. Erst dann lassen sich Bewerbungen vergleichen.

  3. Plausibilität prüfen. Widersprüche in den Zahlen markieren, bevor jemand Zeit investiert.

  4. Bewerten und vergleichen. Punkte nach dem Regelwerk, Einordnung gegen die eigenen Deals derselben Phase.

  5. Übergeben. Was weiterverfolgt wird, geht ins CRM und mit einem Memo ins Investment-Komitee. Was abgesagt wird, behält seine Begründung.

In einer Tabelle ist das machbar. Aufwendig werden die Schritte 3 und 4, weil sie bei jeder Bewerbung neu anfallen. Die Schritte 2 bis 5 übernimmt CORE. Schritt 1 bleibt Ihre Arbeit, mit dem Standard-Regelwerk als Ausgangspunkt.

Häufige Fragen: kurz beantwortet.

Ist Screening dasselbe wie Due Diligence?

Nein. Screening entscheidet, ob ein Deal näher angesehen wird. Due Diligence ist die gründliche Prüfung danach, mit Gesprächen und Unterlagen, für die wenigen Deals, die weiterkommen.

Was ist ein Investment-Memo?

Die schriftliche Zusammenfassung eines Deals für das Investment-Komitee, kurz IC-Memo. Üblich sind: was das Startup macht, die wichtigsten Kennzahlen, Stärken, Risiken und eine Empfehlung. In CORE entsteht das IC-Memo als PDF mit einem Klick, mit der Herleitung der Punktzahl.

Ersetzt ein Scoring die Entscheidung?

Nein. Ein Scoring ordnet, es entscheidet nicht. Die Punktzahl zeigt, wo ein Deal nach den eigenen Kriterien steht. Ob der Fonds investiert, entscheiden Menschen.